Prof. Dr. Lothar Rabenseifner

 

 

Info Patienten

Im folgenden können Sie sich über alles rund um das Knie informieren. In der kleinen Anatomie erklären wir Ihnen die Grundlagen dieses wichtigen Gelenks. Genauere Informationen über die Krankheitsbilder (Kniearthrose, Meniskusriss, Bänderriss, Rheumatoide Arthritis) finden sie im Anschluß. Es folgt ein Überblick über die die Therapieformen, mit Erläuterungen zum Kniegelenkersatz, zum Operationsablauf, und zur Nachbehandlung. Zum Schluß geben wir Ihnen noch ein paar Tipps für die Zeit nach der Operation.

 

Kleine Anatomie
Das Kniegelenk - unser größtes Gelenk

Wie funktioniert das Kniegelenk?
Wenn wir gehen, uns strecken oder beugen, ist unser größtes Gelenk aktiv – das Kniegelenk. Es stellt die bewegliche Verbindung zwischen dem Oberschenkelknochen und dem Schienbein dar und ermöglicht in erster Linie die Streckung und Beugung. Darüber hinaus lässt es auch geringe Drehungen des Unterschenkels gegenüber dem Oberschenkel zu; dies allerdings nur, wenn das Knie gebeugt ist.

Das Kniegelenk besteht aus der Oberschenkelrolle und dem Schienbeinkopf, die beide mit einer stärkeren Knorpelschicht überzogen sind. Im dazwischen liegenden Gelenkspalt befinden sich die Menisken (Zwischengelenkscheiben). Sie fangen die gewaltigen Kräfte, die im Laufe unseres Lebens auf das Gelenk einwirken, federnd ab. Das Gelenk selbst wird durch eine Kapsel nach außen abgedichtet. Sie produziert eine Flüssigkeit, die den Knorpel ernährt und die Kniescheibe geschmeidig gleiten läßt. Kreuzbänder zwischen den Knochen geben dem Gelenk die notwendige Stabilität; durch Muskeln und Sehnen wird es bewegt.

Das Kniegelenk:
1. Streckmuskulatur des Oberschenkels,
2. Kniescheibe (Patella),
3. Oberschenkelknochen (Femur),
4. Meniskus (halbmondförmiger Faserknorpel),
5. Patellarsehne,
6. Wadenbein (Fibula),
7. Schienbein (Tibia)

Wie kommt es zu Erkrankungen?
Der häufigste Grund für eine Kniegelenkerkrankung ist der krankhafte Verschleiß des Gelenkknorpels – die Arthrose – beim Knie Gonarthrose genannt. Andere Ursachen sind Rheumatismus, Stoffwechselerkrankungen, angeborene oder anlagebedingte Fehlbildungen und Verletzungen.
Die krankhaften Veränderungen des Arthrosegelenkes lassen sich in einem Röntgenbild darstellen. Dabei ist der Knorpelüberzug selbst nicht erkennbar. Die umgebenden Knochenstrukturen lassen aber auf den Zustand des Knorpels schließen: Während man bei einem gesunden Kniegelenk den Knorpel am glatten, gleichmäßig ausgeformten Gelenkspalt erkennt , ist der Gelenkspalt beim erkrankten Kniegelenk deutlich schmaler geworden oder völlig verschwunden.
Röntgenbilder eines gesunden (links) und kranken Knies

Krankheitsbilder
Die Kniearthrose
Chronischer Verschleiss am Kniegelenk
Arthrose, d.h. der krankhafte Verschleiß des Gelenkknorpels, ist die häufigste Ursache für Knie-Beschwerden und nimmt bei den Gelenkschäden - auch im jüngeren Alter - eine immer größere Bedeutung ein. Wenn sich der Knorpel im Kniegelenk abnutzt, ist dies ein Prozess, den man nicht rückgängig machen kann. Der hyaline Knorpel, der am Gelenkkopf den Knochen schützt, ist bei Schädigung nicht in der Lage sich selbst zu heilen.
Durch den zunehmenden Verschleiß des Knorpels kommt es zum direkten Kontakt von Knochen auf Knochen. Die Folgen der Arthrose am Knie („Gonarthrose“) sind starke Schmerzen bei Belastung. Die schmerzfreien Gehstrecken werden immer kürzer. Zuletzt entstehen auch im Ruhezustand starke Schmerzen. Gleichzeitig werden die Beweglichkeit und die Stabilität des Kniegelenks immer schlechter. Die Ursache ist häufig eine Fehlstellung der Beine. So belasten zum Beispiel X- oder O-Beine die Kniegelenke einseitig. Aber auch Unfälle oder die oben genannten Sportverletzungen sind Ursache für den Verschleiß.

Verschleiß des Kniegelenkes
Sind einer oder mehrere Teile des Knies geschädigt, leidet die Beweglichkeit des Gelenkes darunter. Im Laufe der Zeit bekommt der Knorpel Risse und nützt sich immer mehr ab.

Der Meniskusriss
Ein Meniskusriss äußert sich meist durch Schmerzen an der Innen- oder Außenseite des Gelenks. Verstärkt wird der Schmerz durch Drehbewegungen des Unterschenkels gegenüber dem Oberschenkel oder auch durch Belastung bei längerem Laufen und Treppensteigen. Typisch ist auch die so genannte „Blockierung“.
Da der Meniskus wichtige Funktionen im Knie erfüllt, wird bei jeder Therapie versucht, so viel Meniskusgewebe wie möglich zu erhalten. Der gerissene Meniskus wird nach Möglichkeit genäht. Meist muß jedoch der abgerissene Anteil des Meniskus entfernt werden. Bei den Knieverletzungen hat sich die Methode der Arthroskopie, der Gelenkspiegelung, durchgesetzt. Die Therapie dieser Meniskusschäden muss frühzeitig geschehen. Bleibt ein geschädigter Meniskus unbehandelt, kann sich eine Arthrose, der degenerative Gelenkverschleiß, entwickeln.
Der Bänderriss
Der Kreuzbandriss ist eine der häufigsten Bandverletzungen am Kniegelenk. Die beiden Kreuzbänder sind die zentralen Stabilisatoren des Kniegelenks. Der Riss des vorderen Kreuzbandes ist weitaus häufiger als der Riss des hinteren Kreuzbandes. Der unbehandelte Riss insbesondere des vorderen Kreuzbands führt wegen der Instabilität des Gelenks zum vorzeitigen Gelenkverschleiß. So ist klar, dass man diesen stabilisierenden "Sicherheitsgurt" im Kniegelenk wieder herstellen muss, wozu man in aller Regel eine neue Struktur benötigt. Hierbei haben sich zwei Ersatzmaterialien besonders bewährt: Zum einen die sogenannte Patellarsehne (mittleres Drittel der Kniescheibensehne) und zum anderen die Semitendinosus-Sehne (Sehne aus der Rückseite des Oberschenkels). Welche der zur Verfügung stehenden Techniken des Kreuzbandersatzes letztendlich zum Einsatz kommt, hängt von vielen Faktoren wie z.B. Alter, Geschlecht, Sporttätigkeit, Größe, Gewicht und Gewebestruktur ab. Obgleich die Technik relativ kompliziert erscheint, sind die Erfolgsquoten nach derartigen Eingriffen ausgezeichnet, vor allem wenn keine wesentlichen Zusatzverletzungen vorliegen.
Verletzungen müssen erkannt und therapiert werden
Gleich, um welche Verletzung es sich handelt: Eine schnelle Diagnose und richtige Therapie ist bei einer Verletzung am Knie besonders wichtig, um Instabilität, Blockaden und frühzeitigen Gelenkverschleiß sowie die Entstehung einer Arthrose als Spätfolge zu verhindern. Moderne Behandlungen ermöglichen es zumindest teilweise, verloren gegangenes Knorpelgewebe zu ersetzen. Das A und O für den Erfolg einer Operation am Knie ist die Nachbehandlung beim Physiotherapeuten und die Krankengymnastik. Wichtig ist vor allem, dass die Betroffenen Muskulatur und Bänder stärken, die das Kniegelenk stabilisieren.

Rheumatoide Arthritis
Unter „Rheuma“ versteht man nicht eine einzelne, sondern eine Vielzahl von Erkrankungen: Fast 450 verschiedene Krankheitsbilder, die alle mit chronischen, schmerzhaften und mit dauerhaften Mobilitätseinschränkungen des Bewegungsapparates zusammenhängen, sind unter diesem Begriff zusammen gefasst. Die so genannte „rheumatoide Arthritis“ oder auch „chronische Polyarthritis“ ist die häufigste entzündliche Erkrankung der Gelenke. Man schätzt, dass in Deutschland rund 800.000 Menschen an dieser Erkrankung leiden.
Die Ursache der Krankheit ist nicht geklärt. In Fachkreisen werden Störungen des Immunsystems („Autoimmunerkrankung“), Viren- oder Bakterieninfektionen oder auch eine erbliche Veranlagung als mögliche Ursachen diskutiert. Die rheumatoide Arthritis tritt schubweise auf. Typische Symptome sind starke Schmerzen, Schwellungen und eine Überwärmung der Gelenke. Die Beweglichkeit ist vor allem am Morgen stark eingeschränkt („Morgensteife“). Darüber hinaus kann die dauerhafte Entzündung der Gelenke zu bleibenden Schäden an Gelenkknorpel und –knochen führen. Die Gelenkstrukturen degenerieren und werden zerstört.

 

 
Therapie
Die Therapie der Kniearthrose
Bei der Behandlung der Kniearthrose steht eine große Vielfalt von konservativen und operativen Behandlungsmethoden zur Verfügung. Dabei ist es wichtig festzuhalten, dass nur der differenzierte Einsatz der Therapiemöglichkeiten, passend zu den verschiedenen Stadien der Kniegelenkverschleißes, zum Erfolg führen kann.
Ziel aller therapeutischen Maßnahmen ist es, die Folgen des Verschleißes und des Substanzverlustes am Knorpel sowie die Reaktionen und Reizzustände der Gelenkkapsel, die das Gelenk schützend umgibt und mit Flüssigkeit ernährt, zu minimieren.
Die konservative Therapie der Kniearthrose
Es gibt verschiedene Therapiemöglichkeiten, die die Knorpel- oder Knochenschäden nicht beseitigen, aber eine Operation hinauszögern können. Hier ein Überblick über die so genannten konservativen Behandlungsmethoden.
Durchblutungsfördernde Maßnahmen
Eine bessere Durchblutung des betroffenen Gelenkes kann durch Fangopackungen, heiße Wickel und ähnliche Anwendungen erzielt werden. Auch Kurzwellenbehandlung und Ultraschalltherapie können Linderung verschaffen, ebenso wie Unterwassertherapien.
Bewegung stärkt die Muskeln
Soweit die Schmerzen es zulassen, kann gezielte Krankengymnastik empfohlen werden, die der Kräftigung der Muskulatur und der Beweglichkeit dient. Besonders empfehlenswert sind Schwimmen und Bewegungen im warmen Wasser, da hier die schmerzhafte Gewichtsbelastung durch den Körperauftrieb entfällt.
Medikamente gegen Entzündung
Im Falle einer akuten Entzündung des Gelenkes ist der Einsatz von Medikamenten neben der Physiotherapie sinnvoll. Häufig werden so genannte Antirheumatika verschrieben. Diese Medikamente dürfen wegen eventueller Nebenwirkungen ausschließlich unter ärztlicher Kontrolle eingenommen werden.
Wenn die Schmerzen und die Behinderung im Kniegelenk zunehmen und die konservativen Behandlungsmethoden ausgeschöpft sind, wird Ihnen Ihr behandelnder Arzt einen operativen Eingriff empfehlen: das Einsetzen eines künstlichen Kniegelenkes.

Die operative Therapie
Man unterscheidet grundsätzlich gelenkerhaltende und gelenkersetzende Operationen.
Zu gelenkerhaltenden Eingriffen zählen z.B. arthroskopische Verfahren, Knorpel-Knochen-Transplantation oder auch Umstellungsosteotomien. Fehlstellungen wie X- oder O-Beine führen zur einseitigen Belastung des Kniegelenks und können die Ursache für eine arthrotische Veränderung des Gelenks sein. Im frühen Arthrosestadium kann man die Beinachse, d.h. die X- oder O-Bein-Stellung korrigieren, um so die bereits geschädigten Bereiche am Kniegelenk zu entlasten. In den meisten Fällen ist jedoch die Implantation eines Gelenkersatzes (Endoprothese) erforderlich.

Der Kniegelenksersatz
Grundsätzliches zum künstlichen Kniegelenkersatz
Arthrose zählt zu den großen Volkskrankheiten: In Deutschland werden pro Jahr ca. 80.000 künstliche Kniegelenke implantiert, so dass man hier von einem Routineeingriff sprechen kann. Die medizinische Forschung und Entwicklung hat auf diesem Gebiet Großartiges geleistet. In den vergangenen 40 Jahren wurden spezielle Werkstoffe und Designs für anatomische und körperfreundliche Gelenkimplantate erforscht, die möglichst lange Standzeiten haben, d.h. lange im menschlichen Körper bleiben.
Die richtige Endoprothese für Sie
Prinzipiell wird bei Kunstgelenken versucht, die Biomechanik des natürlichen Gelenkes bestmöglich nachzuahmen. Die abgenutzten Knorpeloberflächen des erkrankten Knies werden durch glatte, gewichttragende Oberflächen ersetzt. Vor dem Eingriff wird der Operateur anhand der Untersuchungsdaten und der Röntgenbilder eine Operationsplanung durchführen, bei der Modell, Größe der Implantate und Art der Fixierung festgelegt wird. Alles wird auf Ihre ganz individuellen Bedürfnisse abgestimmt.
Alter, Geschlecht, Knochenqualität, Körpergewicht und nicht zuletzt Ihre körperlichen Aktivitäten spielen eine Rolle. In jedem Fall wird die natürliche Beinachse wieder hergestellt. Künstliche Gelenke halten in der Regel 12–15 Jahre. Entscheidende Faktoren für die Lebensdauer und Funktionsfähigkeit sind das Material der Gleitpaarung, die körperliche Beanspruchung und die Knochenbeschaffenheit.

Aufbau und Material
Was ist eine Knie-Totalendoprothese
Eine Knie-Totalendoprothese ist der Ersatz des erkrankten Kniegelenkes durch ein künstliches Implantat. Bei der Implantation eines künstlichen Kniegelenks wird die abgenutzte Knorpelfläche von Oberschenkelrolle und Schienbeinkopf entfernt und durch eine Femur-Komponente (Oberschenkelprothese) und eine Tibia-Komponente (Unterschenkelprothese) ersetzt. Auf die Tibia-Komponente wird ein Polyethylen-Aufsatz gesetzt, der als Gleitfläche zwischen Ober- und Unterschenkel dient. Ein Knochenverlust durch vorliegende Knochendefekte (z.B. nach einem Unfall) kann durch verschiedene Höhen des Polyethylens-Gleitpartners ausgeglichen werden.
Die in direktem Kontakt miteinander stehenden Gelenkflächen (Gleitpaarung) sind eine Oberschenkelkomponente aus Metall und eine Gleitfläche aus Polyethylen. Ebenfalls aus Polyethylen ist die Kniescheibe. Diese speziell für medizinische Zwecke hergestellten Materialien zeichnen sich durch eine maximale Gewebeverträglichkeit aus und ermöglichen eine möglichst schmerzfreie und dauerhafte Funktion.
Material
Woraus bestehen künstliche Kniegelenke? Überall dort, wo natürliche Knochen mit künstlichen Gelenken zusammentreffen, spielen Material und Oberflächenbeschaffenheit eine zentrale Rolle, um eine schmerzfreie Gelenkbewegung zu ermöglichen und vom Körper dauerhaft toleriert zu werden.
Im Allgemeinen werden zwei Materialarten für orthopädische Zwecke verwendet: Metalle und Polymere.
Verankerungstechniken
A. Zementierte Endoprothese
Die Femur- und die Tibia-Komponente werden mit Knochenzement, einem schnell härtenden Kunststoff, befestigt. Ein zementiertes Gelenk ist sofort belastbar.
B. Zementfreie Endoprothese
Alle Komponenten werden ohne Knochenzement implantiert. Der Knochen wächst an die Endoprothese an.
C. Hybrid-Endoprothese
In der sogenannten hybriden Implantationstechnik wird die Femur-Komponente zementfrei und die Tibia-Komponente mit Zement im Knochen verankert.
Oberflächenersatz
Doppelschlitten/ Gelenkersatz
Der bikondyläre Kniegelenkersatz (Oberflächenersatz) ist für Patienten, deren Kniegelenk vielfältig geschädigt ist. Bei völlig zerstörten Knien lassen sich auch bei jüngeren und aktiven Patienten Oberflächen-Knieendoprothesen mit beweglichen Anteilen („Mobile Bearing“) zur Imitierung eines möglichst "physiologischen" Bewegungsablaufes implantieren.
Schlittenprothese
Unikondylärer Schlitten
Unikondyläre Schlittenprothesen sind vielversprechende knochensparende Perspektiven für jüngere Patienten. Die unikondyläre Knieendoprothese ist für Patienten gedacht, bei denen erst „eine Hälfte“ des Kniegelenks, d.h. der innere oder äußere Gelenkteil, betroffen ist. Voraussetzung ist ein intakter Kapsel-Band-Apparat mit erhaltenen Kreuz- und Seitenbändern.
Die Operation
Beim operativen Eingriff wird das erkrankte Kniegelenk durch ein Kunstgelenk ersetzt. Die Operation kann in Voll- oder Teilnarkose erfolgen. Die Teilnarkose hat den Vorteil einer geringeren Beeinflussung des Allgemeinzustandes. Viele Patienten werden heute in Teilnarkose operiert. Sie erhalten dabei zusätzlich ein Beruhigungsmittel und können die Operation mitverfolgen und dabei über Kopfhörer Musik hören, ohne Schmerzen zu verspüren. Welche Methode sich in Ihrem Fall empfiehlt, bespricht Ihr Anästhesiearzt mit Ihnen.
Der gesamte Eingriff dauert in der Regel eineinhalb bis zwei Stunden. Nicht unerwähnt bleiben sollten die Risiken. Zum Beispiel Blutergüsse, Infektionen, Allergien, Blutungsgefahr und Thrombosen. Doch meist sprechen die Vorteile für einen Eingriff – auch bei älteren Patienten. Ihr Arzt wird Sie zu Ihrem persönlichen Fall beraten.
Wie können Sie sich vorbereiten?
Der Erfolg einer Operation und der Heilungsprozess hängt wesentlich von Ihrer Mitarbeit ab. Durch eine richtige Vorbereitung und entsprechende Vorsichtsmaßnahmen können Sie eventuelle Risiken entscheidend verringern. Dazu gehört z. B. die Verbesserung Ihres Allgemeinzustandes: Verzichten Sie auf Tabak und Zigaretten und reduzieren Sie eventuelles Übergewicht. Über die Möglichkeit einer Eigenblutspende sprechen Sie rechtzeitig mit Ihrem Arzt.
Für eine schnelle Rehabilitation ist es überdies sehr hilfreich, wenn Sie sich bereits vor der Operation mit den krankengymnastischen Übungen und dem Umgang mit Gehstützen vertraut machen.
Wenn Sie regelmäßig ein Aspirin-Präparat einnehmen, sollten Sie dieses in Absprache mit Ihrem Hausarzt rechtzeitig vor dem Eingriff absetzen, um ein erhöhtes Blutungsrisiko zu vermeiden.
Die Eigenblutspende
Da bei Implantation von Endoprothesen trotz gewebeschonender Operationsverfahren ein relevanter Blutverlust nicht sicher auszuschließen ist, bieten wir unseren Patienten in Zusammenarbeit mit der Anästhesiologie die Eigenblutspende an. So läßt sich bei der intraoperative Rückgabe des abgesaugten Bluts und Autoretransfusionsverfahren (Rückgabe von Drainageblut) meist die Gabe von Fremdblut völlig
Die einzelnen Operationsschritte
Schritt 1
Über einen Schnitt an der Vorderseite des Knies wird das erkrankte Gelenk erreicht. Der Operateur entfernt die zerstörten Knorpelflächen des Oberschenkelknochens mit speziellen Instrumenten.
Schritt 2
Mittels Spezialschablonen wird der Knochen präzise vorbereitet. Vor der Implantation des Originalimplantates wird eine Probeprothese eingesetzt. Hierdurch kontrolliert der Operateur den korrekten Sitz, Größe, Stabilität und den Bewegungsspielraum.
Schritt 3
Die Vorbereitung des Schienbeinkopfes geschieht auf die gleiche Weise
Schritt 4
Nach vorherigem Probesitz wird die metallische Schienbein-Komponente eingesetzt. Hierauf wird ein Polyethylen-Einsatz befestigt, der als Gleitfläche zwischen Ober- und Unterschenkel dient.
Schritt 5
Je nach Schweregrad der Arthrose muss auch die Rückfläche der Kniescheibe ersetzt werden.
Schritt 6
Der komplette Gelenkersatz wird nochmals auf seine optimale Beweglichkeit geprüft. Dann wird die Wunde verschlossen und ein Kompressionsverband angelegt. In die Wunde eingelegte Drainageschläuche verhindern Blutergüsse, da nachsickerndes Blut abfließen kann.
Die Nachbehandlung
Nach der Operation
Ihr stationärer Aufenthalt in der Klinik beträgt zirka zwei bis drei Wochen. Darauf folgen entsprechende Rehabilitationsmaßnahmen, die ambulant oder in einer Reha-Klinik durchgeführt werden.
Sie wachen auf . . .
Ein speziell geschultes Pflegeteam betreut Sie nach der Operation im Aufwachraum und sorgt für Ihre sichere Überwachung. Ein leichter Wundschmerz im Kniebereich ist möglich. Je nach Bedarf werden Ihnen notwendige Infusionen und Medikamente verabreicht. Nachdem sich Ihr Allgemeinzustand stabilisiert hat, werden Sie in Ihr Krankenzimmer verlegt.
Training
Bereits am Tag nach der Operation oder am nächsten Tag werden Sie mit ersten Bewegungsübungen beginnen. Diese Frühmobilisation senkt das Risiko von Komplikationen ebenso wie regelmäßige Gymnastik, Kompressionsstrümpfe und Blutverdünnungspräparate. Als Erstes lernen Sie vom Bett aufzustehen und sich wieder richtig zu setzen. Selbst alltägliche Bewegungsabläufe, wie das richtige Ein- und Aussteigen aus dem Auto oder das richtige Hinauf- und Hinabsteigen von Treppen, müssen wieder erlernt werden.
Durch intensive Krankengymnastik werden Ihre Gehfähigkeit und der Muskelaufbau gefördert. Ziel ist, Ihre Oberschenkel- und Beckenmuskeln so zu trainieren, dass Sie voll von Ihrer wiedergewonnenen Beweglichkeit profitieren können. Die zwischen Arzt und Physiotherapeut abgestimmten Rehabilitationsmaßnahmen haben große Bedeutung für den Erfolg der Operation und Ihre schnelle Genesung. Mit Ihrer aktiven Mitarbeit helfen Sie, das Ziel schnell zu erreichen.
Wieder zu Hause . . .
Es ist wichtig, dass Sie Ihre Übungen auch zu Hause täglich wiederholen. Nach wenigen Monaten können Sie Ihr Leben wieder voll genießen – ob privat oder im Beruf. Gehen Sie Ihren Hobbys nach und treiben Sie Sport. Erlaubt sind alle gelenkschonenden Sportarten wie Schwimmen, Radfahren, Spazierengehen, Skilanglauf oder Gymnastik. Sie sollten Ihre Gelenke jedoch nicht überstrapazieren und auf schweres Heben und extreme sportliche Belastungen wie Squash, Tennis oder alpinen Skilauf verzichten. Ihre Aktivitäten bestimmen die Belastungen, denen Ihr künstliches Gelenk ausgesetzt ist, und beeinflussen seine Lebensdauer.
Tipps
praktische Ratschläge für zu Hause
In den ersten sechs bis acht Wochen nach der Operation ist Ihr neues Gelenk noch relativ ungeschützt, bis die Muskulatur wieder gestärkt und aufgebaut ist. Sie gibt dem Gelenk die notwendige Stabilität und schützt es gegen falsche Bewegungen.
Im folgendsen begleiten wir Sie bei Ihren täglichen Aktivitäten und geben Ihnen Tipps, wie Sie Ihrem neuen Gelenk durch richtiges Verhalten den anfänglich nötigen Schutz bieten. Je aktiver Sie mitarbeiten, umso schneller erreichen Sie Ihr Ziel – und Sie werden belohnt mit dem wunderbaren Gefühl neu gewonnener Lebensqualität.
Einzelheiten zu Ihrer persönlichen Nachbehandlung und den zeitlichen Rahmen sollten Sie in jedem Fall mit Ihrem behandelnden Arzt abstimmen.

Gesunde Ernährung
Es gibt keine besonderen Einschränkungen bezüglich der Ernährung. Bevorzugen Sie abwechslungsreiche Kost mit viel Obst und Gemüse und trinken Sie täglich sechs bis acht Gläser Wasser. Dies hilft die Verdauung zu fördern.
Die Gehstützen
1. Richtiger Umgang mit Gehstützen
—Beim Stehen sollten beide Stützen geringfügig vor und seitlich zu Ihren Füßen stehen.
—Halten Sie die Hüfte dabei möglichst gerade. Sie sollten mit leicht gebeugten Ellenbogen gerade stehen können.
—Stützen Sie sich beim Gehen fest auf die Handgriffe Ihrer Gehhilfen.
—Achten Sie darauf, das Gewicht mit den Händen und nicht mit den Unterarmen zu tragen.
—Belasten Sie das operierte Knie beim Gehen so, wie Sie es in der Klinik gelernt haben.

 

 

2. Sicher Treppen steigen
—Versuchen Sie das Treppensteigen beim ersten Mal nicht allein.
Treppen hinaufsteigen
—Setzen Sie zuerst das gesunde Bein auf die erste Treppenstufe.
Drücken Sie sich mit dem gesunden Bein und mit Ihren Händen ab, um —das operierte Bein auf dieselbe Stufe zu heben.
Wiederholen Sie diesen Vorgang, bis Sie auf dem oberen Treppenabsatz angekommen sind.
—Das Gleiche gilt, wenn die Treppe ein Geländer hat.
3. Treppen hinuntergehen
—Setzen Sie beide Stöcke auf die erste Stufe und stellen zuerst das operierte Bein auf diese Stufe.
—Verlagern Sie dabei so viel Gewicht wie möglich auf die Gehstützen.
Stellen Sie anschließend das gesunde Bein hinunter auf diese Stufe.
—Wenn Ihr gesundes Bein kräftig genug ist, können Sie aber auch beide Stöcke gleichzeitig mit dem operierten Bein auf die nächste Stufe stellen und das gesunde Bein nachstellen.
Richtiges Setzen
— Vermeiden Sie in der Anfangsphase das Sitzen in tiefen Sesseln (Luxationsgefahr).
— Ideal sitzen Sie auf hohen, stabilen Stühlen mit Armlehnen. Mit einem Kissen können Sie die Sitzhöhe erhöhen.
— Zum Hinsetzen gehen Sie rückwärts zum Stuhl, bis Sie leicht die Stuhlkante spüren.
—Nehmen Sie dann beide Stöcke Ihrer Gehhilfen auf die Seite des gesunden Beines.
— Stützen Sie sich beim Setzen auf den Lehnen ab und strecken das operierte Bein leicht nach vorn.
— Sitzen Sie aufrecht
—die Beine sind im »stumpfen Winkel« zum Körper (Hüften leicht höher als Knie).
— Zum Aufstehen rutschen Sie nach vorn und stehen mit Hilfe der Armlehnen zuerst mit dem gesunden Bein auf. Das operierte Bein ist wieder leicht vorgestreckt.

 

 

Zur Toilette gehen
— In der Übergangszeit ist ein erhöhter Toilettensitz empfehlenswert.
— Sie greifen mit beiden Stützen auf der gesunden Seite entweder zu den Armlehnen eines vorhandenen Toilettenstuhles oder zum Haltegriff neben der Toilette.
— Dann langsam niedersetzen und dabei das operierte Bein leicht vorstrecken.
— Aufstehen, wie beim Stuhl, durch Abstützen auf den Armlehnen oder dem Haltegriff. Das operierte Bein ist leicht vorn.

In das Auto einsteigen
— Fahren Sie selbst erst wieder Auto, wenn Ihr Arzt es Ihnen erlaubt hat und Sie keine Gehstützen mehr benötigen.
— Steigen Sie möglichst auf der Seite ein, wo Sie am meisten Beinfreiheit haben (in der Regel auf der Beifahrerseite.
— Setzen Sie sich rückwärts auf den Autositz.
— Heben Sie langsam und in kleinen Schritten Ihre Beine ins Auto, am besten mit Unterstützung Ihrer Hände unter dem Oberschenkel.
— Achten Sie darauf, dass die Bewegungen gleichmäßig mit dem Becken und den Beinen erfolgen. Der Körper sollte möglichst gerade bleiben.

Im Bad
Baden
Gehen Sie mit Hilfe Ihrer Gehstützen zur Breitseite der Badewanne. – Vergewissern Sie sich, dass Ihr Wasser gut temperiert ist. – Zum Einsteigen auf den Rand setzen oder auf einen Stuhl, der höher sein sollte und direkt neben der Wanne steht. – Heben Sie erst das operierte und dann das gesunde Bein über den Wannenrand und setzen Sie sich möglichst so, dass Sie gegenüber dem Wasserhahn sitzen. Sie können das Bein mit Hilfe Ihrer Hände unter dem Oberschenkel in die Wanne heben. – Zum Verlassen der Wanne die Beine wieder vorsichtig über den Wannenrand heben.
Duschen
Eine rutschfeste Unterlage und ein Haltegriff an der Wand helfen Ihnen, das Gleichgewicht zu halten. – Vergewissern Sie sich vor dem Duschen, dass das Wasser richtig temperiert ist. – Stellen Sie zuerst das gesunde Bein in die Duschkabine. Die Gehstützen sind außerhalb, aber in bequemer Reichweite. – Nehmen Sie am besten einen Schwamm mit langem Handgriff, damit Sie sich nicht vornüber beugen müssen. – Treten Sie beim Verlassen der Duschkabine zuerst mit dem operierten Bein hinaus.
Das Anziehen
Anziehen von Kleidungsstücken
Bevorzugen Sie bequeme Kleidung. – Das Anziehen kann anfänglich unter Fremdhilfe erfolgen oder durch den Einsatz von Hilfsmitteln. Hierzu fassen Sie mit dem Haken Ihres Anziehstocks den Bund Ihrer Kleidung und ziehen sie zuerst über das operierte Bein bis über das Knie. – Dann stellen Sie sich mit Hilfe einer Gehhilfe auf Ihr gesundes Bein und ziehen das Kleidungsstück ganz nach oben. – Beim Ausziehen schlüpfen Sie zuerst mit dem gesunden Bein aus der Kleidung.
Socken und Strümpfe
Ziehen Sie Ihre Socken zuerst auf einen Strumpfanzieher. Ferse und Zehenteil von der Socke sollten vorn eng anliegen. – Sie halten die Bänder seitlich fest, schlüpfen in die Socke und ziehen sie mit dem Strumpfanzieher hoch. – Auf der nicht operierten Seite können Sie die Socke unter Anheben des Fußes anziehen, nicht hinunter bücken. – Zum Ausziehen haken Sie mit dem Strumpfanzieher hinten an der Ferse ein und ziehen die Socke vom Fuß.
Schuhe
–Tragen Sie flache, feste Schuhe mit einfachem Einstieg ohne Schnürsenkel (Slipper), sodass Sie sich beim Anziehen nicht vornüber beugen müssen. – Verwenden Sie zum An- und Ausziehen einen Anziehstock oder einen Schuhlöffel mit extra langem Griff.
Sonstige Tipps
Spazierengehen
Beginnen Sie frühzeitig mit regelmäßigen Spaziergängen auf gut ausgebauten Wegen. Zu Beginn genügt ein kurzer Spaziergang von 5 bis 10 Minuten. – Steigern Sie allmählich Ihre Gehstrecke. – Vermeiden Sie unebene, rutschige Wege und tragen Sie immer festes Schuhwerk.
Tragen von Kompressionsstrümpfen
Um das Risiko einer Thrombose (Blutgerinnsel, das die Venen im Bein verstopft) oder einer Lungenembolie (in die Lungen gelangtes Blutgerinnsel) zu verringern, erhalten Sie vor und nach der Operation Medikamente und tragen je nach Absprache mit Ihrem behandelnden Arzt bis etwa einen Monat nach der Operation Kompressionsstrümpfe. Diese können Sie morgens beim Baden oder Duschen und abends kurz ausziehen, aber nicht länger als 30 Minuten. Die Strümpfe sollten beim Tragen keine Falten schlagen. Besonders wichtig ist das Tragen der Kompressionsstrümpfe in der Nacht.
Operationsnarbe
Sobald Ihre Narbe völlig trocken ist, dürfen Sie duschen gehen. Beim Abtrocknen bitte nicht trocken reiben, sondern sanft abtupfen. Sollten sich jedoch leichte Bläschen oder kleine Wundbereiche um die Narbe bilden, befragen Sie bitte noch einmal Ihren Arzt.
Die Patientenschule
Ein gut informierter Patient ist sehr wichtig für den Behandlungserfolg: Sie sollen wissen, was auf sie zukommt, damit Sie aktiv am Heilungsprozess mitwirken können. Mit der „Patientenschule“ richtet sich die Klinik regelmäßig an Patienten, die ihren Operationstermin bereits kennen und kurz vor der Implantation eines künstlichen Gelenkersatzes stehen. Im Rahmen dieser Abendveranstaltungen erklären wir Ihnen, wie Sie sich am besten auf die Operation vorbereiten können, was Sie in die Klinik mitbringen müssen und wie der stationäre Aufenthalt ablaufen wird. Daneben informieren wir über die Rehabilitationsmaßnahmen nach der Operation.
Ein wichtiger Bereich, der häufig vergessen wird, ist die Vorbereitung der eigenen Wohnung auf die Rückkehr: Da Sie in Ihrer Beweglichkeit zunächst eingeschränkt sind, müssen Stolperfallen beseitigt werden. Unter Umständen sollte man sich noch vor dem stationären Aufenthalt Hilfsmittel anschaffen, die das Leben erleichtern, beispielsweise rutschfeste Unterlagen und Haltegriffe für die Dusche, ein erhöhter Toilettensitz oder auch Strumpfanzieher“. Sollten Sie bereits Ihren Operationstermin bei uns haben, erfahren Sie im Sekretariat der Klinik für Unfallchirurgie und Endoprothetik die nächsten Termine der „Patientenschule“ .
Für alle Interessierten und für Patienten mit Gelenkbeschwerden, die keinen Operationstermin vereinbart haben, veranstaltet die Klinik gemeinsam mit der Abteilung für Anästhesiologie regelmäßig Informationsveranstaltungen zum Thema „Arthrose". Hier informieren wir über Krankheitsbilder, Diagnose und Therapie und stehen für Ihre Fragen gerne zur Verfügung. Die nächsten Termine der Informationsveranstaltungen erfahren Sie Sekretariat der Klinik für Unfallchirurgie und Endoprothetik.